Worte zur Kunst – KunstGD am 19. Oktober 2014 – St. Lukas

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„Wir aber sehen nicht auf das Sichtbare, sondern auf das Unsichtbare“ (2. Korinther 4, 18a) heißt es im zweiten Brief des Paulus an die Gemeinde in Korinth – wir haben es vorhin in der Lesung gehört. Wie maßgeschneidert passen diese Worte zur laufenden sechsten Artionale im Evangelisch-Lutherischen Dekanatsbezirk München, die 2014 unter dem Leitthema „was Du nicht siehst…“ steht.

Die Grenze zwischen beiden Welten, der sichtbaren wie der unsichtbaren, zu überwinden, sie miteinander in Verbindung zu bringen, daran hat sich hier in St. Lukas Brigitte Schwacke gewagt. Mit ihrem Werk „Beyond the Line“ hat sie zum einen die Wahrnehmung des sakralen Raums unserer Kirche einmal mehr verändert – ganz wie es das Kunstkonzept der Kulturkirche St. Lukas zum Ziel hat: Vier strahlendweiße Stelen ragen am Hauptportal und vor den Altarstufen in das dominierende Grau und Braun der Lukaskirche auf. Wer näherkommt und – anders als gewohnt in diesem gigantischen Kirchenraum – den Blick nicht nach oben zur Kuppel, sondern nach unten richtet, blickt – Sie haben es vorhin alle getan – in einen Raum aus Licht. Er scheint weder Anfang noch Ende zu haben, genau wie die dünnen Drähte, die die Künstlerin zu Plastiken und Skulpturen verknüpft hat, deren Form wir nur ausschnitthaft erkennen und deren Fortgang wir nur erahnen. Wir mutmaßen über ihre Beschaffenheit, ihre Größe. Für jeden wird diese unterschiedlich sein, für jeden andersartig und keiner kann letztlich für sich beanspruchen, ihre wahre Gestalt zu erkennen.

So weist „Beyond the Line“ zum anderen auf skulpturale Art und Weise auf das große Geheimnis der Transzendenz hin; auf das, was außerhalb des Bereiches unserer Sinneswahrnehmung liegt und unseren endlichen, irdischen Erfahrungsraum übersteigt. Wie diese Ausschnitte, die wir in den Schächten sehen, bleibt unser Wissen und Reden über das, was wir nicht sehen und nur ahnen können Stückwerk, das erst am Ende aller Zeit der Erkenntnis weichen wird, wie Paulus schreibt: „Wenn aber kommen wird das Vollkommene, so wird das Stückwerk aufhören. […]Wir sehen jetzt durch einen Spiegel ein dunkles Bild; dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich stückweise; dann aber werde ich erkennen, wie ich erkannt bin.“ (1. Korinther 13,10f.)

St. Lukas, voran die Mitglieder des Kunstausschusses danken Ihnen, liebe Brigitte Schwacke, für diesen inspirierenden Denkanstoß, der uns neu einlädt, über das Gewohnte unserer kleinen Alltagswelten hinauszublicken, auf das „was Du nicht siehst“. Unser herzlicher Dank gilt ferner allen, die dazu beigetragen haben, das Projekt im Rahmen der Artionale und insbesondere hier in St. Lukas möglich zu machen und Ihnen, liebe Gemeinde, noch bis 5. November zugänglich und bei einigen Begleitveranstaltungen anschaulich zu machen.

Andreas N. Ludwig

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Atelierbesuch bei Brigitte Schwacke

IMG_3145IMG_3126Brigitte Schwacke verändert mit ihrer Kunst den Raum, erschafft ihn neu, öffnet ihn, verwischt die Grenzen zwischen Skulptur und Umgebung. Wo könnte dies spannender sein, wo herausfordernder als in St. Lukas? Die Zusammenarbeit im Rahmen der artionale 2014 reizte daher von Beginn an sowohl die Künstlerin als auch die Mitglieder des Kunstausschusses. Angeregt von imposanten Fotographien der Werke Schwackes füllten wir seit dem ersten Treffen mit der Künstlerin vor dem inneren Auge den immer wieder atemberaubenden Kirchenraum an der Isar mit Skulpturen aus dünnem Draht und rätselten gespannt, wie sich das Projekt „Beyond the line“ im Herbst darstellen wird.

IMG_3151Einen ersten Eindruck davon konnten wir Ende Juli bekommen, als Brigitte Schwacke den Kunstausschuss in ihr Atelier in die Häberlstraße lud und uns damit einen intimen Blick in ihre Arbeit, ihre Ideen, ihre künstlerische Entwicklung gewährte. Im Mittelpunkt des Treffens stand – im wahrsten Sinne des Wortes – der Entwurf für „Beyond the line“, dessen Inspiration und Entwicklung, an denen uns die Künstlerin teilhaben ließ. Die Arbeit in und mit dem sakralen Raum der Lukaskirche erweitert die Perspektive. Diese Erfahrung machte auch Schwacke und so entsteht in diesen Wochen eine weitere Komponente ihres Œuvres, die die Öffnung zwischen Skulptur und Raum auf gänzlich neue Art schafft. „Beyond the line“ wird die Wahrnehmungen verändern – erweitern. Wir freuen uns darauf!

Andreas N. Ludwig

IMG_3155Fotos von Rieke Harmsen

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Das neue Kunstprojekt in Sankt Lukas – Beyond the Line

Brigitte Schwacke, Beyond the Line

Ein Beitrag zur Artionale 2014

Zu sehen in Sankt Lukas von 1. Oktober bis 6. November 2014.

Neues Kunstprojekt

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Kulturkirche Sankt Lukas

Die Lukaskirche ist eine von insgesamt 33 Kulturkirchen Deutschlands. Die Gemeinde wurde 2011 mit dem Kulturpreis der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) ausgezeichnet.

Dazu wurde ein Buch veröffentlicht:

KULTURKIRCHEN, eine Reise durch Deutschland. Petra Bahr, Klaus-Martin Bresgott, Hannes Langbein

Der Kirchenvorstand von St Lukas hat ein Kulturkirchenkonzept verabschiedet:

 Kulturkirchenkonzept St Lukas

 Die Kirchengemeinde St. Lukas steht für eine vielfältige Auseinandersetzung mit dem sakralen Raum in seiner historischen Gegebenheit.

Die Kunst- und Kulturprojekte in St. Lukas geben Impulse für eine neue Wahrnehmung der Kirche in Architektur und Spiritualität.

Wir bieten dabei Raum für Gegenwartskunst, zeitgenössische Musik, Tanz, Theater und Literatur.

Dadurch streben wir einen offenen Diskurs über gesellschaftliche und religiöse Themen mit unseren Gemeindegliedern und den Menschen der Stadt an. St. Lukas ist auf diese Weise ein Ort des lebendigen Glaubens.

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Overtures ZeitRäume Teil II

Overtures ZeitRäume Teil II  ist ein transdisziplinäre Zukunftsforschungsprojekt  für den urbanen Raum in Partizipation mit KünstlerInnen, Wissenschaftlern und Bürgern aus dem Lehel. Wir setzen die im Mai 2011 geführten die Diskussionen um unseres Ressourcen fort.

Wie werden wir in Zukunft miteinander kommunizieren? Wo werden wir einkaufen? Wie werden wir leben, arbeiten, glauben?  Diese und andere Fragen zur Zukunft stehen im Fokus von overtures ZeitRäume Teil II.

St Lukas bietet dazu den Raum für künstlerische Visualisierungen, eine Zeitreise in die Zukunft und für ein Symposium über den inneren und äußerem Wandel der Gesellschaft.

„Transformation“ ,  Leben in der Stadt in 30 Jahren, ein Kunstprojekt von Tamiko Thiel

Tamiko Thiels künstlerische Arbeiten setzen sich oft mit Geschichten von Orten und deren Verwandlungen auseinander. Sie konzipiert  neue, fantasievolle Plätze und realisiert sie als virtuelle 3D-Welten oder als Augmented Reality.

Im Juni recherchierte die Künstlerin im Stadtteil Lehel über das alltägliche Leben und befragte dazu Bewohner  nach ihren Lebenswegen. Im Dialog mit Experten aus Stadtentwicklung, Theologie, Ethik, Energie- und Umweltforschung entwickelt die Künstlerin ortsbezogene Zukunftsszenarien für das Stadtviertel. Manche Visionen werden im Internet auf einem interaktiven Stadtplan verortet und aufrufbar sein. Dieser „visionäre“ Stadtplan wird in einer Ausstellung in der Lukaskirche mit Fotos und Videos dokumentiert und können teils auch draußen direkt vor Ort im Display von Smartphones abgerufen werden.

Eröffnung der Ausstellung

Mit Gerd Kötter, Beate Frankenberger und Tamiko Thiel

11. Oktober, 19.00 Uhr St Lukas

Zeitreise

In der St. Lukaskirche findet zum ersten Mal eine Zeitreise statt, die sich den inneren und äußeren Wandlungsprozessen einer Gesellschaft widmet.  Räumlich und zeitlich parallel zur Ausstellung „Transformation“ von der Künstlerin Tamiko Thiel starten wir einen kreativen Dialog mit Künstlern, Wissenschaftlern und Bürgern aus unterschiedlichen Generationen.  Unser Anspruch ist es, ein gemeinsames Bewusstsein für unsere Umwelt und Ressourcen im urbanen Raum zu entwickeln.

Die Zeitreise wird moderiert von dem Schweizer Wissenschaftler Dr. Felix Keller. Mit max. 70 TeilnehmerInnen werden wir denkbare Maßnahmen und Strategien für eine wünschenswerte Zukunft im Stadtraum entwerfen.

Anmeldungen für die zweitägige Veranstaltung erbitten wir  ans Pfarramt St Lukas  bis zum 3. Oktober

oder per email an beate.frankenberger@sanktlukas.de

St Lukas und Gemeindehaus in der Thierschstr. 28

Freitag, 12. Oktober, 13.00 bis 21.00 Uhr

Samstag, 13.Okt, 9.00 bis 13.00 Uhr

Kunstgottesdienst mit Pfarrerin Beate Frankenberger und Gerd Kötter

St Lukas, Sonntag, 14.Oktober, 10.00 Uhr

Symposium  „Transformation“, innerer und äußerer Wandel einer Gesellschaft in Ethik, Technologie und Ressourcen mit Prof. Dr. Markus Vogt, Ludwig Maximilians Universität, München. Fakultät Ethik/ Theologie.

Dr. Martin Grambow, Bayerisches Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit. Wasser.

Die Veranstaltung wird begleitet von einer Video-Musik-Performance der Künstlerin Manuela Hartel im Zusammenspiel mit dem Kirchenmusikdirektor Gerd Kötter.

St Lukas, Mittwoch,  17. Oktober , 19. 00 Uhr

17. bis 20. Oktober

Fairdrop – eine Installation der Künstlerin Lucia Dellefant im öffentlichen Raum. Parallel zur Ausstellung in der Kirche stellen Lucia Dellefant und Prof. Dr. Nico Grove (Infrastruktur Wirtschaft, Bauhaus Universität Weimar) das Thema „virtuelles Wasser“ vor.

Lange Nacht der Münchner Museen

Performance:  Manuela Hartel , Texte: Beate Frankenberger, Musik: Eva Pons

St Lukas, Samstag, 20. Oktober, 19.00  bis 1.00 Uhr

Veranstalter: pilotraum01 e.V. in Zusammenarbeit mit artcircolo, und kunst I konzepte und St Lukas unterstützt durch das Referat Gesundheit und Umwelt der LH München, Selbach-Umwelt Stiftung, Klimaherbst München

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Die Ausstellung Jetzt – der Zeit entfallen wurde am 19. April im Kichenraum von St. Lukas eröffnet. Sie haben bis zum 13. Mai Gelegenheit, die Kunstinstallation von Sybille Loew zu betrachten.

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„jetzt – der zeit entfallen“ Kunstinstallation von Sybille Loew

Vom 19. April bis 13. Mai diesen Jahres wird sich ein leuchtendes Band durch unsere St. Lukaskirche ziehen. Nadel und Faden sind die Werkzeuge von Sybille Loew. Für die Installation „jetzt – der zeit entfallen“ hat die Münchner Künstlerin ein Jahr lang eine 112 Meter lange medizinische Mullbinde bestickt. In krakeligen Buchstaben ist der Begriff „jetzt“ zu lesen.

„Sticken ist ein meditativer Akt; ich habe mir bei der Arbeit sozusagen selber über die Schulter geschaut“, erklärt Loew. Ihre Erfahrungen mit der Handwerkstätigkeit tauchen auch als Textfragmente auf dem Band auf: „ich nehme die kalte metallene Nadel in die Hand, fädle den Faden ein und sticke jetzt jetzt jetzt nur gestickt aber nicht im Jetzt gewesen vielmehr nicht endende Gedankenströme jetzt jetzt jetzt…“ heißt es etwa, zu finden sind aber auch persönliche Begriffe wie Widerstand, Angst, tiefe Traurigkeit, Einsamkeit…

Der altertümlichen und biederen Charakter der Stickereien ist ein Stilmittel, mit dem die Künstlerin bewusst spielt. Mal stickt sie Pin-up-Mädchen auf biedere Baumwolltücher. Oder aber sie arbeitet mit der „gefühlten“ Zeit, die das Sticken benötigt. Für die Installation „stiller abtrag“ hat sie Stoffschilder mit den Namen von 298 Münchnern bestickt, die 2005 ohne Angehörige starben und anonym beerdigt wurden.

Die Installation von Sybille Loew ist ein Memento Mori – der mühsame Prozess des Stickens, die Vergänglichkeit des Tuns sind augenfällig. Wer dem langen Band durch den Kirchenraum folgt, kann dem inneren Weg der Künstlerin gleich einem Passionsweg folgen.

Pfarrerin Beate Frankenberger gibt am 19. April 2012 um 19:30 eine Einführung zu diesem Kunstprojekt. Kirchenmusikdirektor Gerd Kötter sorgt für den musikalischen Rahmen. Die Künstlerin wird anwesend sein.

Die Schau ist von 19. April bis 13. Mai täglich von 10 bis 17 Uhr zu sehen.

Die Installation ist ausserdem zu sehen:

  • jeden Donnerstag Abend, ab 21.30 Uhr vor der Nachtkirche um 22 Uhr
  • Orgelkonzert am 22. April, 20  Uhr (Eintritt 10 Euro)
  • Lange Nacht der Musik am 28. April, von 20 bis 1 Uhr (Eintritt 15 Euro – über München Kultur GmbH)
  • Konzert des ensemble lukas „In Between“ am 5. Mai, 20 Uhr (Eintritt 15 Euro)

Wir danken Isabella Beer und Horst Konietzny für die freundliche Erlaubnis, ihre Fotos hier einzustellen.


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